Abgesang

Seit Monaten liegt dieser Blog brach – irgendwie schade. Erst lag es daran, dass ich zu viel zu tun hatte, dann kamen lauter Themen auf, die nichts mit Bildung zu tun hatten. Und dann endlich habe ich festgestellt, dass mir dieser Blog zu klein geworden ist. Noch immer arbeite ich bevorzugt zu Bildungsfragen, aber das allein reicht mir nicht mehr.

Jetzt habe ich mich entschieden, mich endlich offiziell von diesem Blog zu trennen und dem schlechten Bloggergewissen ein Ende zu bereiten. Ein bisschen schade ist das schon. Aber ich habe dafür einen neuen Blog gestartet – Link folgt beizeiten –, und auch da wird es sicher gelegentlich um Themen gehen, bei denen Lernen eine Rolle spielt.

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Wenn der Lernerfolg ausbleibt

Lernen ist ganz schön mühsam, keine Frage. Kürzlich fand ich mich im Traum auf meinem alten Schulhof wieder, es war gerade große Pause, ich unterhielt mich mit ein paar Freunden (wunderte mich auch kurz, was da der Kollege zu suchen hat, den ich eigentlich erst lange nach der Schule kennen gelernt habe). Dann wurde mir plötzlich mit erheblichem Schrecken klar, dass ich noch ein ganzes Jahr bis zum Abitur vor mir habe. Was für ein Albtraum, buchstäblich. Zum Glück bin ich dann aufgewacht und habe festgestellt, dass ich das schon lange, lange hinter mir habe.

Im Gegensatz zu den 27 Schülern – dem kompletten Jahrgang – der Ersten Privaten Fachoberschule Schweinfurt, die möglicherweise gerade alle durch das Fachabi gefallen sind. Noch stehen die Ergebnisse der mündlichen Prüfungen nicht fest, aber helfen werde das, so Spiegel Online, „wenn überhaupt, nur einzelnen“. Nun steht eine Prüfung der Schule an usw. usf.

Obwohl ich dieses kollektive Durchfallen höchst bedenklich finde (an einer Privatschule! Die haben auch noch dafür bezahlt“), hätte ich das Thema wahrscheinlich gar nicht kommentiert, wenn ich mich nicht gerade auf der Seite des Schulbetreibers umgesehen hätte. Ich war neugierig, ob sich dort ein Kommentar zur diesem für den Kundenzulauf ja vermutlich nicht gerade zuträglichen Fall findet. In der Tat gibt es da eine Stellungnahme der Geschäftsführung und Schulleitung. Und darin liest man, ungefähr mit Mittelteil, Folgendes:

„Unterricht und Prüfungsvorbereitung sind jedoch ein Prozess, an dem unter anderem auch der einzelne Schüler nicht nur beteiligt ist, sondern durch seine Eigenverantwortung einen ebenso wesentlichen Teil zum Erfolg beitragen muss.

Die Schüler hatten im Unterricht in der 11. und 12. Klasse bei Lehrern sowie Schul- und Geschäftsleitung den Eindruck erweckt, dass sie dem Anspruch des eigenverantwortlichen Lernens, wie im Lehrplan gefordert, nachkommen und diesen erfüllen können.“

Bin ich überempfindlich oder liest sich das so, als hätten die Schüler unter anderem deshalb so schlecht abgeschnitten, weil sie sozusagen ihren Teil des Deals, nämlich das eigenverantwortliche Lernen, nicht geleistet hätten? Und wenn das so sein sollte, wessen Aufgabe ist es, die Schüler in die Lage zu versetzen, dass sie ihr Lernen selbst in die Hand nehmen? Hä?

Ich finde durchaus, dass nicht die ganze Verantwortung für den Lernerfolg der Schüler auf den Schultern der Lehrkräfte lasten sollte. Ich finde sogar, dass es ziemlich wünschenswert ist, dass die Schüler so eigenverantwortlich wie möglich lernen. Aber das müssen sie ja auch erst mal lernen, und da kommt meines Erachtens die Schule dann eben doch wieder ins Spiel. Schnell mal auf der Internetseite gecheckt, was für ein Konzept die Schule vertritt und welche Gedanken sie sich über das Lernen gemacht hat. Oh, da steht gar nichts zum Konzept.

Aber offensichtlich ist es ja ohnehin so gewesen, wenn man der Stellungnahme der Geschäfts- und Schulleitung glauben möchte, dass die Schüler kurz vor dem Fachabi eigentlich super Leistungen gezeigt haben, die dann plötzlich irgendwie nicht mehr reproduzierbar waren. So verstehe ich jedenfalls dieses Statement:

„Für die Schulleitung sowie die Lehrerschaft ist es derzeit nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen die Leistungen der Schüler drastisch abfielen.“

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Inklusionsfähig?

Seit einiger Zeit stolpere ich immer mal wieder über das Adjektiv „inklusionsfähig“. Und wundere mich. Nicht so sehr, wenn von Schulgebäuden oder Institutionen die Rede ist, aber das ist eher selten der Fall (ganz am Rande: Bei einem Schulgebäude wäre wohl eher „barrierefrei“ der Ausdruck der Wahl). Geht es aber um Personen, dann dreht sich mir der Magen um. So zum Beispiel im Fall der gehörlosen Augsburger Schülerin, Weiterlesen

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Schulleitung – bloß nicht!

Als Kind habe ich mich immer gefragt, wozu es im Orchester eigentlich einen Dirigenten gibt, der wichtigtuerisch vor den Musikern herumfuchtelt und, obwohl er selbst kein Instrument spielt, mehr als alle anderen im Rampenlicht steht. Schließlich können doch die Musiker alle prima Noten lesen, da muss es doch eigentlich auch ohne Anführer gehen. Wahrscheinlich würde es auch wirklich für ein paar Takte klappen, und manches ungeübte Ohr würde den Unterschied kaum hören. Aber richtig gute Musik kommt eben doch nicht dabei heraus.

Das ist mir wieder eingefallen, als mir zu Ohren kam, dass in Hamburg eine ziemlich große Zahl an Schulen – insbesondere Grundschulen – ohne Schulleitung auskommen müssen. Weiterlesen

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Ferienschule im Lehmhüttendorf

Bildung mit ungewisser Zukunftsperspektive: Besuch in einem namibischen Hilfsprojekt

Kurz hinter der nordnamibischen Regionalhauptstadt Rundu verlassen wir die Teerstraße: Unser Weg in das Projektgebiet von „Theresia’s Orphan and Vulnerable Child Foundation“ im Dorf Mavanze führt über eine staubige Sandstraße.

Lehmhütten säumen das Ufer des Kavangoflusses, nach dem die nordnamibische Region ihren Namen hat.

Einige gemauerte Schulgebäude stehen wie hingewürfelt in der ansonsten leeren Savanne. Man muss den Blick schärfen, um in der grünbraunen Graslandschaft einzelne Lehmhütten auszumachen. Gelegentlich überholen wir mit unserem Allradwagen ein paar Fußgänger, unmöglich zu sagen, woher sie kommen, wohin sie gehen. „Hallo!“ ruft Lizza Hilger ihnen fröhlich aus dem Autofenster zu, schnell wechselt sie mit den Passanten ein paar Worte in der Lokalsprache RuKwangali. Lizza kennt hier praktisch jeden, und definitiv kenn jeder sie, denn ihr Hilfsprojekt ist für viele Kinder und Jugendliche der umliegenden Dörfer eine wichtige Anlaufstelle.


Am Anfang stand eine Beerdigung

Aidswaisen und Kinder aus sehr armen Familien kommen regelmäßig auf das drei Hektar große Projektgelände. Das Grundstück hat Lizza zusammen mit ihren zwei Brüdern von ihrer Mutter Theresia geerbt.

In diesem Haus hat einst Lizzas Mutter Theresia gelebt. Heute übernachten hier die Projektmitarbeiter.

Während die staubige Straße uns weiter in die Savanne führt, erzählt Lizza, wie alles anfing, damals 2005 auf der Beerdigung ihrer Mutter. Zu dem Ereignis im Dorf war die gesamte Verwandtschaft geladen. Und es kamen noch mehr: Zwischen den Trauergästen entdeckte Lizza, die damals schon in Rundu lebte, zwei Mädchen, die sie nicht zuordnen konnte – hungrige Kinder, wie sie erfuhr, die sich auf Beerdigungen unter die Trauernden mischen, um dort etwas Essen zu erhaschen.

Lizza wollte mehr über ihren Hintergrund wissen und fand bald heraus, dass die beiden sieben und acht Jahre alten Mädchen Cousinen waren. Fridas Eltern waren einige Zeit zuvor an Aids gestorben, ebenso wie Emilys Mutter. Emilys Vater war der einzige verbliebene Verwandte, aber er arbeitete auf einem Militärstützpunkt weit entfernt vom Dorf. Nur einige abgemagerte Ziegen, die er im Dorf zurückgelassen hatte, erinnerten im Alltag der Mädchen an ihn, denn bei jedem seiner seltenen Besuche im Dorf schärfte er Emily und Frida ein, auf keinen Fall das Hüten der Tiere zu vernachlässigen. Ob die Mädchen in die Schule gingen, war ihm dagegen gleichgültig. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Kleiner Leuchtturm! - Schulporträt, Welt

Missbrauch: Die Verantwortung der Institutionen

Die katholische Kirche hat in Rom vier Tage lang zum Thema Missbrauch getagt – gut so. Schließlich gab es dazu auch jede Menge dringliche Gründe (ich spare mir hier die Einzelheiten, alles ist ziemlich ausführlich hier auf Wikipedia nachzulesen). Aufmerken musste ich allerdings in dem Bericht der Süddeutschen über die Konferenz an der Stelle, an der der Regensburger Bischof Gerhard Müller sich zur Verantwortung der Institutionen, in denen Missbrauch stattgefunden hat, äußert. Er wird dort nämlich so zitiert: Verantwortlich für die Straftaten und die Diskreditierung des eigenen Berufsstandes sei der Täter. „Wenn ein Lehrer an einer Schule einem Kind etwas antut, ist ja nicht die Schule oder das Kultusministerium verantwortlich.“ In den Diözesen und Orden sei alles Notwendige getan worden. „Was soll man eigentlich tun?“. Die Tat als solche sei schließlich nicht mehr rückgängig zu machen.“

Dem kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Weiterlesen

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Film: „Frau Kaiser“ macht Individualisierung vor

Ein netter kleiner Film über Individualisierung an Schulen macht in Hamburg die Runde: „Frau Kaiser besteht drauf“. Das Hamburger Institut für Bildungsmonitoring stellt darin drei Schulen vor, die sich eigene Ansätze zur Individualisierung ausgedacht haben. Die Grundschule Rellinger Straße, die mit Planungsmappen und Logbüchern arbeitet, die Erich Kästner Stadtteilschule, die statt altbackenen Eltern-Schüler-Gesprächen „Bilanz-Ziel-Gespräche“ führt und das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium (mein Favorit unter den drei Beispielen), das alle Stunden um fünf Minuten verkürzt hat und die dadurch gewonnene Zeit in Trainings- und Forscherkurse für die Schüler investiert. Weiterlesen

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